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„Wenn Du wissen willst, wie gestresst jemand ist, schaue auf den Bauch“

„Wenn Du wissen willst, wie gestresst jemand ist, schaue auf den Bauch“

„Die Krankenkassen verzeichnen seit 15 Jahren eine Zunahme stressbedingter Krankschreibungen.“ (Stress-Report der Techniker Krankenkasse)

Achim Peters ist Hirnforscher, Endokrinologe und Diabetologe, außerdem Leiter der interdisziplinären Forschungsgruppe „Selfish Brain“ an der Universität Lübeck.

Hirnforscher erklärt, wieso Stress eigentlich etwas Gutes ist und warum wir am Bauchumfang ablesen können, wie viel Stress jemand hat.

Achim Peters:

In unserer modernen Gesellschaft sind die Grundbedürfnisse für die meisten Menschen zwar weitestgehend abgesichert: Wir haben genug Nahrungsmittel, sind sozial- und krankenversichert und verfügen über ein funktionierendes Infrastrukturnetz. Existenzielle Bedrohungen verspüren wir also nicht.

Gleichzeitig steigt das subjektive Gefühl der Unsicherheit. Das spiegelt sich an der Zunahme der sogenannten Zivilisationskrankheiten wider:

Das sind alles körperliche Ausdrücke von Unsicherheit.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua):

  • 2007 gab es in der BRD 48 Millionen Krankheitstage wegen psychischer Leiden
  • 2017 waren es 107 Millionen Krankheitstage – mehr als doppelt so viele. 
  • Dadurch Produktionsausfälle im Wert von 12,2 Milliarden Euro.

Das ist vor allem ein Ausdruck der zunehmenden sozialen Ungleichheit.

Die ist ein Hauptfaktor für Unsicherheit. Das Problem ist, dass heute bis in weite Teile der Mittelschicht hinein eine Unsicherheit herrscht, die früher nur in den untersten Schichten aufzufinden war.

Achim Peters:
Wer übergeschäftig durch das Unternehmen hetzt, erweckt zwar einen heroischen Eindruck, aber der hat noch keinen echten Stress. Manager und Banker arbeiten sehr viel, aber viel Arbeit allein verursacht noch keinen Stress.
Doch wenn sie Geschäftsentscheidungen treffen müssen, in denen es um viel geht, und sie nicht wissen, was richtig ist, dann verspüren sie Unsicherheit. Unsicherheit ist ein Gefühl, ein rein subjektives Erlebnis. Es gibt verschiedene Handlungsoptionen und wir wissen nicht, welche wir wählen sollen, um unser physisches, psychisches oder soziales Wohlbefinden zu sichern. Aus der Unsicherheit, wenn man nur wenig aussichtsreiche Handlungsoptionen hat, resultiert Stress.
So ist es häufig im Leben von Leiharbeitern, prekären Arbeitskräften, Arbeitslosen.
Managern und Bankern geht es da besser, denn sie wissen häufiger, wie sie vorgehen wollen und kennen oft ihre Optionen sehr gut. Sie verspüren insgesamt weniger Unsicherheit und damit weniger Stress.
Achim Peters:
Menschen, die unter toxischen Stress leiden, werden immer dünner an den Armen, den Beinen, dem Po. Das Einzige, was zunimmt, ist ihr Bauchumfang. Das liegt am inneren Bauchfett, das quasi ein externalisiertes Energiedepot für das Gehirn ist. Wenn Sie wissen wollen, wie gestresst Ihre Kollegen sind, schauen Sie ihnen auf den Bauch. Wenn der dick ist, hat jemand viele Jahre Stress hinter sich.

Wege zu weniger Unsicherheit und damit weniger Stresserkrankungen

Strukturelle Maßnahmen
Änderung der sozialen Personalpolitik
– Unbefristete Verträge geben Sicherheit,
– Einhaltung der Kernarbeitszeiten, damit Arbeitnehmer in Bezug auf ihre Freizeit mit der Familie Planungssicherheit haben.
Funktionelle Maßnahmen
– Mitarbeitern Raum für Kreativität bei der Lösung einzelner Aufgaben lassen.
Das schafft Autonomie und reduziert die Unsicherheit.
– Mitarbeitern mehr Wertschätzung ausdrücken für den Aufwand, den sie erbringen.
Das kann sich im Gehalt zeigen oder  einfach in wertschätzenden Worten.
Bleibt das chronisch aus, führt das zu Burn-Out und Depressionen.

Ressource:

Vollständiger Artikel: STRESS IM BÜRO: Interview mit Achim Peters

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