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Folge der materialistischen Medizin: Der Mensch als Maschine

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Der Mensch als Maschine – Die materialistische Ideologie der Schulmedizin und ihre Auswirkungen

Artikel aus: fassadenkratzer.wordpress.com

Immer mehr Menschen bemerken, dass die zerstörerischen menschlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise mit der herrschenden materialistischen Weltanschauung der meisten Menschen, insbesondere auch mit den einseitigen Theorien der Schulmedizin zusammenhängen. Für diese reduziert sich der Mensch auf seine stoffliche Körperlichkeit, deren Organe und Funktionen wie maschinell rein aus sich selbst heraus, betrachtet und behandelt werden, abgetrennt von Seele und Geist, die – wenn überhaupt vorhanden  – ursächlich nichts damit zu tun hätten. Wenn aber Seele und Geist das eigentliche Wesen des Menschen ausmachen und der Leib nur ihren sinnlichen Ausdruck, ihr physisches Instrument bildet, muss diese Medizin letztlich unmenschlich, zerstörerisch wirken.

Die Kritik Prof. Christian Schuberts

Ein scharfer Kritiker der Schulmedizin, selbst darin gründlich ausgebildet, ist Prof. Christian Schubert, zusätzlich Psychologe und ärztlicher Psychotherapeut, der durch seine langjährigen Forschungen als Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie am Department für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Medizinische Psychologie an der Medizinischen Universität Innsbruck zur Erkenntnis vielfacher Zusammenhänge und unmittelbarer Abhängigkeiten der körperlichen Funktionen von seelischen und geistigen Einwirkungen gekommen ist.

In einem Interview mit dem Multipolar-Magazin vom 6. März 2022 zur Corona-Krise nannte er die Schulmedizin unverblümt eine „Maschinen-Medizin“, bei der der eigentliche Mensch außen vor bleibe und im Prinzip am Ende nur die „Maschine Mensch“ untersucht und behandelt werde. Es seien schwere erkenntnistheoretische Irrtümer der Schulmedizin, den Menschen dualistisch zu sehen, also den Körper von Seele und Geist zu trennen, ebenso reduktionistisch aus der Analyse der kleinsten Bausteine des Lebens das große Ganze zu erklären, was so nicht gehe.

„Dualismus und Reduktionismus sind alte Fehler der Medizin, die schon Jahrhunderte lang nicht korrigiert worden sind. Das zeigt sich bereits im Aufbau des Studiums, das fast nur aus Fächern besteht, die das Stoffliche im Menschen betreffen. Und wenn der Student eingeführt wird in eine Maschinenwelt, dann wird er als Maschinen-Doktor auch so den Patienten begegnen. Wenn er nicht von Beginn an einen anderen Zugang bekommt, erkenntnistheoretisch, dann war es das.

Mit diesen Fehlern trifft die Schulmedizin nun auf die Corona-Pandemie, berät die Regierung und stellt Kollegen, die vorzugsweise aus dem Labor kommen, in den Vordergrund. Diese aber setzen sich in ihrer Forschung meist mit Keimen auseinander und haben das psychosoziale Leben von Menschen überhaupt nicht im Blick. Sie haben es weder gelernt, noch haben sie das Recht dazu – für meine Begriffe – sich hier besonders aktiv in Verantwortung zu bringen.
Denn noch mal: Wenn Virologen, Infektiologen oder Tiermediziner, oder wer auch immer in Deutschland federführend in der Beratung der Regierung ist, jetzt plötzlich zu soziologischen Themen befragt werden, letztlich Entscheidungen verantworten müssen, die weit über das hinausgehen, was diese Menschen normalerweise erforschen und repräsentieren, dann frage ich mich: Wie kann das passieren?

Das geht nur, wenn man wie in der Schulmedizin dualistisch und reduktionistisch denkt und sagt: Es geht nur darum, den Körper in den Mittelpunkt zu stellen und die kleinsten Bausteine, also das Virus. Der ganze Mensch wird dabei vergessen und auch nicht als wert, wichtig und bedeutsam angesehen. Und das ist in den letzten zwei Jahren in einer erschreckenden Form passiert. Also die westliche Medizin, die Schulmedizin hat sich für meine Begriffe in der Covid-Krise in ihrer menschenentfremdeten Form sehr offenbart und sich damit auch selbst an die Wand geknallt.“ 1

Wahrnehmung und Wissenschaft

Der erkenntnistheoretische Dualismus, die Trennung des physischen Körpers in seinen Organen und Funktionen von Seele und Geist, setzt diese noch als irgendwie existierend voraus, versetzt sie nur – so wie die Kirchen das Göttliche in ein Jenseits – in ein Abseits des Stofflichen, mit dem es direkt nichts zu tun habe. Dieser Dualismus steigert sich in der Naturwissenschaft vielfach noch zum materialistischen Monismus, indem die eigenständige Existenz eines Seelisch-Geistigen überhaupt verneint und es nur als Wirkung rein materieller Vorgänge gedeutet wird, das aus diesen wie Rauch aufsteige und mit ihrem Ende im Tode ebenfalls im Nichts verschwinde.

Damit werden die materiellen Stoffe als das einzig Reale gesehen und die Ursachen aller materiellen Erscheinungen auch wieder nur in materiellen Erscheinungen. Und der Umstand, dass für die Sinne unseres physischen Leibes nur Physisch-Materielles unmittelbar wahrnehmbar ist, führt wie suggestiv zu dem Schluss, dass es auch nur Materie gebe.
Das ist der naive Kurzschluss eines Denkens, das selbst nur als Ausfluss materieller Vorgänge verstanden wird, also keine eigene Substanz hat, und das die Wahrnehmungen der materiellen Welt nur irgendwie registrierend beschreiben und logisch ordnen könne.

So wird wissenschaftstheoretisch überhaupt kein Unterschied gemacht zwischen der wissenschaftlichen Erforschung der anorganischen Natur in Chemie, Physik etc. und der organischen Natur der Pflanzen, Tiere und Menschen. Da von der unreflektierten Voraussetzung ausgegangen wird, es gebe real nur Materie, werden die Gesetze, wie sie in der toten Natur, im Anorganischen herrschen, auch auf die lebenden Organismen übertragen, obwohl sie dort überhaupt nicht herrschend sind. Das entspringt eben einer unwissenschaftlichen Behauptung, einem Dogma, und nicht einer genauen wissenschaftlichen Beobachtung, die exakt aufzeigt, dass in den Organismen andere Gesetze herrschen als im Anorganischen.

Auch wenn man es überall mit Materie zu tun hat, wird diese in den Organismen gesetzmäßig nicht wie im Anorganischen von außen, durch einen rein materiellen Ursachen- und Wirkungszusammenhang, sondern von innen bestimmt. Kein Geringerer als Goethe hat in seinen naturwissenschaftlichen Forschungen – die er höher einschätzte als seine Dichtungen – die Gesetzmäßigkeiten des Organischen aufgedeckt, und der junge Rudolf Steiner hat sie als Herausgeber von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften in Gegenüberstellung zu den Gesetzen das Anorganischen wissenschaftstheoretisch klar herausgearbeitet. 2

Die Gesetze des Organischen

So beschreibt R. Steiner in genauer Weise: Eine Erscheinung der anorganischen Natur „ist z. B. der Stoß zweier elastischer Kugeln aufeinander. Ist die eine Kugel ruhend und stößt die andere in einer gewissen Richtung und mit einer gewissen Geschwindigkeit auf dieselbe, so erhält jene ebenfalls eine gewisse Bewegungsrichtung und eine gewisse Geschwindigkeit. … Wir haben diese Erscheinung begriffen, wenn wir aus Masse, Richtung und Geschwindigkeit der ersten und aus der Masse der anderen die Geschwindigkeit und Richtung von letzterer angeben können; wenn wir einsehen, dass unter den gegebenen Verhältnissen jene Erscheinung mit Notwendigkeit eintreten müsse.“

Die sinnlich wahrnehmbaren Vorgänge der unorganischen Natur werden also ausschließlich durch Verhältnisse bedingt, die ebenfalls der Sinneswelt angehören. Eine begriffliche Erfassung solcher Vorgänge ist nichts anderes als eine Ableitung von Sinnenfällig-Wirklichem aus Sinnenfällig-Wirklichem. Sowohl die Ursache als auch die Wirkung gehören der Sinneswelt an. Darin besteht, dass sich Wahrnehmung (Erscheinung) und Begriff decken.

Beim Organismus dagegen erscheinen die für die Sinne wahrnehmbaren Verhältnisse, z. B. Form, Größe, Farbe, Wärmeverhältnisse, nicht bedingt durch Verhältnisse der gleichen Art.
„Man kann z. B. von der Pflanze nicht sagen, dass Größe, Form, Lage usw. der Wurzel die sinnlich-wahrnehmbaren Verhältnisse am Blatte oder an der Blüte bedingen. Ein Körper, bei dem dies der Fall wäre, wäre nicht ein Organismus, sondern eine Maschine. Man muss vielmehr zugestehen, dass alle sinnlichen Verhältnisse an einem lebenden Wesen nicht als Folge von anderen sinnlich-wahrnehmbaren Verhältnissen erscheinen, wie dies bei der unorganischen Natur der Fall ist. Alle sinnlichen Qualitäten erscheinen hier vielmehr als Folge eines solchen, welches nicht mehr sinnlich wahrnehmbar ist. Sie erscheinen als Folge einer über den sinnlichen Vorgängen schwebenden höheren Einheit. Nicht die Gestalt der Wurzel bedingt jene des Stammes und wiederum die Gestalt von diesem jene des Blattes usw., sondern alle diese Formen sind bedingt durch ein über ihnen Stehendes, welches selbst nicht wieder sinnlich-anschaulicher Form ist; sie sind wohl für einander da, nicht aber durch einander.

Sie bedingen sich nicht untereinander, sondern sind alle bedingt von einem anderen. Wir können hier das, was wir sinnlich wahrnehmen, nicht wieder aus sinnlich wahrnehmbaren Verhältnissen ableiten, wir müssen in den Begriff der Vorgänge Elemente aufnehmen, welche nicht der Welt der Sinne angehören, wir müssen über die Sinnenwelt hinausgehen. (…) Dadurch aber tritt eine Entfernung von Anschauung und Begriff ein; sie scheinen sich nicht mehr zu decken; der Begriff schwebt über der Anschauung. Es wird schwer, den Zusammenhang beider einzusehen. Während in der unorganischen Natur Begriff und Wirklichkeit eins waren, scheinen sie hier auseinanderzugehen und eigentlich zwei verschiedenen Welten anzugehören.“

Die Übertragung anorganischer Gesetze, nach denen nur sinnlich Wahrnehmbares auf sinnlich Wahrnehmbares wirkt, auf den Organismus bedeutet also, ihn als Maschine zu behandeln. Ein Organismus erscheint aber bei genauerer Beobachtung nicht von Gesetzen der Sinneswelt, sondern von höheren, sinnlich direkt nicht wahrnehmbaren Kräften beherrscht, die jedoch in ihren Wirkungen für die Sinne wahrnehmbar sind. Aus der Beobachtung ergibt sich also logisch zwingend, dass diese übersinnlichen Kräfte real vorhanden sein müssen.

Phänomenologie der übersinnlichen Wirkungen

Versuchen wir, in unbefangener Beobachtung die elementare Wirkung dieser übersinnlichen Kräfte rein phänomenologisch aufzuzeigen.

Leben

Die Pflanze, wie sie uns physisch entgegentritt, besteht aus leblosen Stoffen, die sie aus der  umgebenden Natur, also aus Erde, Wasser und der lichtdurchfluteten Luft aufnimmt. Wodurch nehmen diese Stoffe diese jeweilige besondere Gestalt an? – Wir beobachten, wie die Materie in sich ständig metamorphosierende Gestalten und Formen eingebaut wird, vom Samen zum Keim und zum Spross, der wächst, immer neue Blätter heraustreibt, sich zur Blüte entfaltet, Früchte mit neuen Samen bildet und wieder verwelkt.

Niemals können diese Stoffe, die der Schwerkraft unterliegen, eine solche Gestalt annehmen, die gerade der Schwerkraft entgegen nach oben strebt. Es muss hier eine höhere Kraft wirken, die sie entgegen ihrer eigenen Natur in diese Form zwingt, die in einem unaufhörlichen Strom Stoffwechsel, Stoffanwachsung, sprich Wachstum, Fortpflanzung und Absterben bewirkt, also das hervorruft, was wir allgemein als Leben bezeichnen. Und wenn sie verwelkt, müssen sich diese Lebenskräfte  zurückziehen, so dass die materiellen Bildungen sich auflösen und die Stoffe wieder in die Umgebung zurücksinken, aus der sie entnommen sind.

Das tote Mineral nimmt überschaubar einen Ort im Raum ein. Die Pflanze erscheint immer nur in jeweiligen Ausschnitten nacheinander in der Zeit. Das Wesen der ganzen Pflanze ist nicht räumlich, sondern nur als eine lebendige Zeitgestalt erfassbar. Und diese ist wie die Lebenskräfte, die sie vorantreiben, unseren physischen Sinnen nicht wahrnehmbar, sie besteht übersinnlich.

Sie ist bereits in einem Samen unsichtbar vorhanden. Stellen wir uns ein echtes Samenkorn neben einem künstlich hergestellten Korn vor, das chemisch exakt aus den gleichen Stoffen gebildet ist, so dass man äußerlich keinerlei Unterschied feststellen kann. Doch nur aus dem echten Korn der Natur, mit dem die überphysische Lebenskräfteorganisation verbunden ist, wird eine lebendige physische Pflanze hervorgehen.

Seele

Die Pflanze ist an einen bestimmten Ort gebunden, sie kann sich aus ihren eigenen Lebenskräften heraus unmöglich im Raume fortbewegen. Dazu muss eine noch höhere Kraft hinzukommen, welche die reine Lebensgestalt in eine beseelte Bewegungsgestalt umformen. Bei Tieren tritt zur Lebenskraft eine seelische Bewegungskraft hinzu, die bewirkt, äußere Bewegungsorgane herauszutreiben und einen Innenraum seelischen Erlebens zu bilden, der durch Sinnesorgane mit der Außenwelt in Beziehung tritt und auf die äußeren Eindrücke reagiert. Eine innere seelische Bewegungskraft formt mit Hilfe der gestaltenden Lebenskräfte physische Bewegungsorgane, um sich den seelischen Intentionen gemäß in der Außenwelt fortbewegen und ausleben zu können. Niemals kann dies aus den anorganischen Stoffen selbst hervorgehen.

                                                  Tier (Pixapay)

Hier ist eine noch mächtigere Kraft als die Lebenskraft wirksam, da sie diese ergreift und in ihren Dienst stellt, so dass die aus der Außenwelt aufgenommenen Stoffe in eine noch höhere Gestalt gezwungen werden, als es bei der Pflanze der Fall ist. Die Seelenkräfte bilden die Lebenskräfte in eine gegenüber der Pflanze ihnen gemäße Gestalt um, so dass sie die materiellen Stoffe in eine den seelischen Intentionen folgende physische Leibesgestalt einbauen. Auch diese höheren seelischen Kräfte sind sinnlich nicht direkt wahrnehmbar, sondern übersinnlicher Natur. Aber sie sind real vorhanden, und wir können sie indirekt in ihren ständigen materiellen Wirkungen beobachten.

Dabei ist auffallend, dass bei der Umbildung der Lebens- in die Seelengestalt die Vertikale der Pflanze nicht aufrechterhalten werden kann. Die seelisch durchdrungenen Stoffe der tierischen Gestalten verfallen in gewisser Weise wieder mehr der Schwerkraft und zwingen sie prinzipiell in die Horizontale.

Geist

Der Mensch nun unterscheidet sich vom Tier durch eine noch höhere Kraft, die zu den physischen, vegetativen und seelischen Kräften der unteren Naturreiche hinzukommt. Sie formt diese so um, dass sie den Körper aus der Horizontalen in die Vertikale, die Aufrechte, erhebt, ihn dadurch weitestgehend den irdischen Schwerekräften entzieht und das Haupt mit seinem Denkorgan sozusagen frei schwebend dem Himmelsgewölbe entgegenhält. Es ist der Geist des Menschen, der sich in dem konzentriert, was wir unser Ich nennen, und der ebenso im Inneren die Seelenkräfte ergreift, um sie immer mehr zu zähmen, zu lenken und zu beherrschen.

Man bewege sich einmal eine Weile auf allen Vieren, um zu erleben, wie der Leib in seiner ganzen Länge den Schwerekräften ausgesetzt ist. Insbesondere der Kopf wird stark nach unten gezogen, es strömt mehr Blut als sonst in ihn hinein, und es ist sehr anstrengend, ihn ständig hoch zu halten. Es wäre eine viel stärkere Nackenmuskulatur erforderlich. Das Denken wird ungeheuer erschwert und abgedämpft. Die Hände können sich nicht mehr frei bewegen, da sie der Stütze und Fortbewegung des Leibes dienen müssen.

Welche Wohltat, wenn man sich wieder aufrichtet. Die Schwerkraft kann jetzt nur noch an den Fußsohlen ansetzen und nach oben wirken, erreicht aber die darüber befindlichen Körperteile nicht mehr direkt, um sie nach unten ziehen zu können. Die ganze Gestalt hat durch die Eingliederung in die Vertikale die Schwerekräfte gewissermaßen überlistet und ihnen direkt nur die kleinstmögliche Körperfläche der Fußsohlen entgegengesetzt. Und durch das Gehen auf nur zwei Beinen entsteht dieser wunderbare, sich ständig in die Vertikale ausbalancierende schwebende Gang des Menschen. Und die Hände werden vollkommen frei für menschliche Tätigkeiten und Handlungen als Grundlage und Möglichkeit über die Natur hinausgehenden kulturellen Schaffens.
Es ist der größte Aberglaube, dass anorganische, tote Stoffe sich in dieser Weise aufgerichtet hätten und bewegen würden.

Gesamtgestalt

In allen Gestaltungsstufen des Leibes als Pflanze, Tier und Mensch sehen wir, wie die Ursachen für das Wesen der Erscheinungen nicht in den Tiefen der Materie zu finden sind, sondern in übersinnlichen Kräften, die sinnlich nicht direkt wahrnehmbar sind, aber indirekt in ihrer physischen Wirksamkeit erfasst werden können. Es sind reale Kräfte, die eine je eigene Form bilden, in die sie die Materie sozusagen wie in ein übersinnliches Netz mit aller organischen Differenziertheit hineinbauen.

Mineral, Pflanze, Tier, Mensch (Pixabay)

Rudolf Steiner machte schon 1924 darauf aufmerksam, dass nahezu sämtliche Materie des physischen Leibes alle 7 bis 8 Jahre ausgewechselt sei 3, was neuere Untersuchungen des schwedischen Stammzellenbiologen Jonas Frisén weitgehend bestätigt haben, der feststellte, dass sich die Zellen des menschlichen Organismus durchschnittlich alle 7 bis 10 Jahre erneuern, wobei allerdings die Erneuerungsrate bei verschiedenen Zelltypen sehr unterschiedlich sei. Die physischen Stoffe des Leibes wechseln also, der Leib bleibt aber derselbe.

Das bedeutet, dass die Materie das Sekundäre ist. Der physische Leib ist nicht der Stoff, denn der wird ständig ausgetauscht, sondern die Form, in die der wechselnde Stoff hineingebaut wird. So gesehen, sind nicht nur das Ich, die Seelen- und die Lebenskräfte als übersinnliche Wesensglieder des Menschen sinnlich unsichtbar, sondern auch der physische Leib als Formgestalt selbst. Nur die ihn ausstopfende Materie wird sinnlich wahrnehmbar. Der ganze Mensch ist im Grunde ein sinnlich nicht sichtbares, übersinnliches Wesen.

Gesundheit und Krankheit

Der physische Körper, in dem uns der Mensch entgegentritt, ist in seiner Gestalt, rein als materieller Stoff für sich genommen, eine Illusion. Er ist so überhaupt nur dadurch möglich, dass er von Lebens-, Seelen- und Geisteskräften durchdrungen ist, welche die Stoffe zu dieser Gestalt aufgerufen und gebildet, in diese Form – entgegen derer eigenen Natur – hineingezwungen haben. Der physische Leib ist Verdichtung und Ausdruck der übersinnlichen Kräfte des Menschen, in dem er als in einem irdischen Instrument wirken kann.

Die Absonderung der Seele und des Geistes vom materiellen Leibe, die Prof. Schubert in dem anfangs zitierten Interview als schweren erkenntnistheoretischen Irrtum der Schulmedizin kritisiert hat, ist nur theoretisch möglich, in der Realität sind sie zu einem Organismus fest verbunden. Ohne diese Verbindung wäre der physische Leib überhaupt nicht vorhanden. Und ihre Trennung von ihm bedeutet in der Realität den Tod, d.h. die Auflösung der Materie, die wieder in ihre eigene Sphäre zurücksinkt.

Gesundheit und Krankheit hängen folglich von dem harmonischen Ineinanderwirken der höheren, übersinnlichen Kräfte ab, welche die physische Organisation konstituieren und ihre Funktionen ständig aufrechterhalten. Betrachtet man den materiellen Körper als eine Maschine, sucht man die Ursachen der Krankheiten jedoch nicht in Störungen der höheren Kräfte, sondern in materiellen Teilen – in denen sie sich natürlich auswirken -, die man dann mit Chemie zu reparieren sucht. In Wirklichkeit hat man aber nur Symptome kurzfristig beseitigt und zusätzlich Nebenwirkungen erzeugt. Die Ursache dagegen besteht fort und wird sich an dieser oder anderer Stelle wieder geltend machen. –

Das ist das zentrale Dilemma der Schulmedizin, die daher im Prinzip nicht heilt, sondern im Dunkeln stochert und pfuscht – mit schweren Folgen. Der Radiologe und Medizinhistoriker Dr. Gerd Reuther, über 30 Jahre als Arzt und Chefarzt in verschiedenen Krankenhäusern tätig gewesen, stellte bissig fest, dass für keine 10 % der Behandlungen solide Belege für deren Wirksamkeit vorlägen. Und bis zu 96 % aller Therapien unterschieden sich kaum von Quacksalberei.

Wer länger in (schul-) medizinischer Behandlung sei, dessen individuelles Krankheits- und Sterberisiko steige. Die moderne Medizin habe reichlich Behandlungen im Gepäck, die schaden und töten können. Ein Patient, der Medikamente einnehme, leide an zwei Krankheiten und müsse sich nicht nur von seiner Erkrankung, sondern auch von seiner Medizin erholen. „So alltäglich Krankheit und Tod infolge ärztlicher Behandlung sind, so wenig präsent ist das Thema unter ihren Verursachern. Eine Monografie über behandlungsbedingte Gesundheitsschäden ist hierzulande nie erschienen.“ 4

Erkenntnis der übersinnlichen Kräfte

 Nun muss einleuchten, dass es auf Dauer nicht genügt, die drei übersinnlichen Kräfte im Menschen als existierend anzuerkennen und nur indirekt in ihren Wirkungen im Physischen zu beobachten. Man wird dem wissenschaftlichen Anspruch des gegenwärtigen Bewusstseins des Menschen nur gerecht, wenn man sie auch in direkter Weise in ihrem übersinnlichen Wesen und Wirken unmittelbar erforscht, weil erst dann das Zusammenspiel aller Wesensglieder voll zu verstehen ist. Dies scheint daran zu scheitern, dass wir sie zwar von innen erleben, aber nicht schauend wahrnehmen können, Erkenntnis für das Denken jedoch der konkreten Wahrnehmungen bedarf, die begrifflich durchdrungen werden müssen, um in voller Klarheit in die jeweilige lebendige Realität der Sache vorzudringen.

Wir können sie nicht wahrnehmen, weil wir keine Wahrnehmungsorgane für sie ausgebildet haben. „Es gibt für den Menschen diejenigen Welten, für die er Wahrnehmungsorgane hat“, bemerkte Rudolf Steiner lapidar. Sinnlich-Materielles wird mit sinnlichen Organen wahrgenommen, Seelisch-Geistiges kann nur mit seelisch-geistigen Organen wahrgenommen werden. Und Rudolf Steiner weist darauf hin, dass diese Organe in jedem Menschen veranlagt sind und durch bestimmte seelisch-geistige Übungen allmählich entwickelt werden können, so dass mit ihnen die übersinnlichen Kräfte nicht nur verstandesmäßig erschlossen, sondern direkt beobachtet und beschrieben werden können.5

Allerdings muss auch das Denken in differenzierter Begrifflichkeit, logischer Stringenz, Sicherheit und Unabhängigkeit noch in einem viel höheren Maße ausgebildet werden, als es im Irdischen der Fall und ausreichend ist. An den derben Sinneswahrnehmungen kann es sich aufstützen und immer wieder festhalten, während es in der beweglichen, fließenden Welt des Seelisch-Geistigen vollkommen in sich gegründet sein muss und dazu einer stärkeren inneren Kraft bedarf, um sich in dem notwendigen höheren Bewusstsein selbstbewusst halten und zwischen Täuschung und Wirklichkeit unterscheiden zu können.

Aber die Dualität von Wahrnehmen und Denken, die für alle Erkenntnis essentiell ist, wird unbedingt aufrechterhalten und macht diese in das Übersinnliche, Geistige erweiterte höhere Erkenntnis zur strengen Geisteswissenschaft, die mit verschwommen Mystik und esoterischen Spekulation nichts zu tun hat.

Rudolf Steiner hatte beides, die höheren Wahrnehmungsorgane und klares, scharfes und sicheres Denken, in hohem Maße ausgebildet. Seine Erkenntnisse der höheren Wesensglieder des Menschen liegen der Pädagogik der Waldorfschule und der anthroposophischen Medizin zugrunde. Mit ihnen erfolgreich zu arbeiten, dazu ist nicht erforderlich, dass der Lehrer oder Arzt bereits selbst zu höheren Erkenntnissen gekommen ist. Es genügt zunächst, die Schilderungen Rudolf Steiners oder fortgeschrittener Schüler mit dem eigenen Denken und Vorstellen zu durchdringen und gleichsam mit ihnen als Hypothesen die Schüler bzw. Patienten zu beobachten. Entsprechen die Schilderungen der übersinnlichen Wesenskräfte der Wirklichkeit, so bewahrheiten sie sich auch in ihren wahrnehmbaren Wirkungen in der physischen Organisation. Denn die Wirklichkeit ist eine Einheit.

Dabei geht es nicht um blinden Autoritätsglauben, sondern um unbefangenes denkendes Durchdringen der behaupteten Erkenntnisse und prüfendes Beobachten. Die Erfahrung zeigt, welch erstaunliche Erkenntnisperspektiven sich immer mehr eröffnen.

Fazit

Die moderne Schulmedizin befindet sich in ihrer materialistischen Einseitigkeit in einer Sackgasse. Sie erfasst nur den materiellen Leib des Menschen und ignoriert Seele und Geist als die den Leib konstituierenden und gestaltenden übersinnlichen Kräfte. Damit verkommt im Bewusstsein der Mediziner der komplexe Organismus des stofflichen Leibes zur Maschine, und der eigentliche Mensch geht verloren. Die Medizin bewegt sich illusionär nicht in der vollen Wirklichkeit. Ohne wirkliche Erkenntnis aber stochert sie im Nebel, und ihre Maßnahmen können insgesamt nur zerstörerisch wirken.

Das ist nicht nur ein medizinisches, sondern darüber hinaus ein kulturelles, gesamtgesellschaftliches Problem. Prof. Schubert hat das, wie oben zitiert, so ausgedrückt: „Also die westliche Medizin, die Schulmedizin hat sich für meine Begriffe in der Covid-Krise in ihrer menschenentfremdeten Form sehr offenbart und sich damit auch selbst an die Wand geknallt.“ Und etwas später weist er in dem Multipolar-Interview darauf hin, wie die Vorstellung der Maschine Mensch in die Realität der Maschine Gesellschaft übergeht.

Wird der Mensch nur als eine rein stoffliche Maschine gesehen, wird auch die Gesellschaft immer mehr wie eine Maschine gestaltet, in der der einzelne Mensch nur ein Funktionsteilchen bildet, dem kein eigener relevanter Wille mehr zukommt. Genau dies erleben wir in der gegenwärtigen Corona-Krise. Sie ist eine Krise der naturwissenschaftlichen, materialistischen Schulmedizin, welche die gesamte Gesellschaft erfasst hat.
Dies wird später noch genauer zu betrachten sein.

Die Zeitereignisse fordern mit aller Macht eine kopernikanische Wende des Denkens, wenn sich die Katastrophen nicht vermehren und weiter verschlimmern sollen.

Anmerkungen:
1   multipolar-magazin 6.3.2022
2   Rudolf Steiner: Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften,
Gesamtausgabe (GA) Nr. 1  GA001.pdf (fvn-archiv.net). Siehe auch:
„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der …“ GA 2
3   Vgl. faz.net 4.4.2017
4   Gerd Reuther: Der betrogene Patient, München 20202, S. 14, 15
5   Siehe Rudolf Steiner: „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“

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